| Äthiopisches Datum unbesehen übernommen | Der äthiopische Kalender zählt dreizehn Monate – zwölf zu 30 Tagen plus den kurzen Monat Pagume – und liegt sieben bis acht Jahre hinter dem gregorianischen; sein Jahr beginnt am 11. oder 12. September. Ein Geburts- oder Ausstellungsdatum eins zu eins übertragen, und Alter, Volljährigkeit oder Fristen stimmen nicht mehr. | Jedes Datum wird in den gregorianischen Kalender umgerechnet und das Originaldatum in Klammern mitgeführt, damit die Behörde die Umrechnung nachvollziehen kann statt sie glauben zu müssen. |
| Ge'ez-Ziffern wie arabische gelesen | Ältere Urkunden, Kirchenbücher und Zeugnisse führen Zahlen in Ge'ez-Zeichen (፩=1, ፲=10, ፻=100). Sie kennen keine Null und werden nicht stellenweise, sondern additiv gebildet – wer sie Ziffer für Ziffer liest, erhält eine andere Zahl. | Ge'ez-Zahlzeichen werden in arabische Ziffern übertragen und Zeichen für Zeichen gegen das Original geprüft; bei Daten, Beträgen und Aktenzeichen zusätzlich in der Endkontrolle. |
| Vatersname als Familienname geführt | Äthiopische Namen bestehen aus dem eigenen Namen und dem Vornamen des Vaters, oft ergänzt um den des Großvaters (አበበ በቀለ – Abebe Bekele); einen vererbten Familiennamen gibt es nicht, und Frauen ändern ihren Namen bei der Heirat nicht. Wird der Vatername stillschweigend zum „Nachnamen“ erklärt, tragen Mutter und Kind im deutschen Register plötzlich verschiedene Familiennamen. | Wir übertragen die Namensbestandteile in Reihenfolge und Schreibweise des Reisepasses und weisen ihre Funktion aus – Eigenname, Vatername, Großvatername –, statt einen Familiennamen zu behaupten, den die Urkunde nicht kennt. |
| Umschrift wechselt von Dokument zu Dokument | Die Fidel-Schrift schreibt die Konsonantenverdopplung nicht mit, und ihre sieben Vokalordnungen lassen sich verschieden romanisieren: ተስፋዬ erscheint als Tesfaye oder Tesfaje, ወልደ ማርያም als Woldemariam, Wolde Mariam oder Walda Maryam. Weicht die Übersetzung vom Pass ab, gilt sie amtlich als eine andere Person. | Maßgeblich ist der Reisepass: Wir übernehmen die dortige Schreibweise unverändert und halten sie über alle Dokumente einer Akte durch; eine abweichende wissenschaftliche Umschrift ergänzen wir höchstens erläuternd. |
| Amharisch, Tigrinya und Oromo verwechselt | Fidel ist die gemeinsame Schrift von Amharisch, Tigrinya und dem liturgischen Ge'ez – ein Dokument „in äthiopischer Schrift“ ist deshalb nicht automatisch amharisch. Oromo wiederum wird seit 1991 in lateinischer Qubee-Schrift geschrieben, obwohl es aus derselben Region stammt. Wird die falsche Sprache angesetzt, ist die Übersetzung unbrauchbar und die Frist verstrichen. | Wir bestimmen die Ausgangssprache vor der Beauftragung und setzen einen Muttersprachler der richtigen Sprache an – Tigrinya und Oromo laufen bei uns getrennt von Amharisch. |
| Kirchliches oder gerichtliches Papier als Registerurkunde ausgegeben | Eine landesweite Personenstandsregistrierung nahm Äthiopien erst im August 2016 auf; wer früher geboren wurde oder geheiratet hat, besitzt häufig keinen Registerauszug, sondern eine kirchliche Bescheinigung, eine Kebele-Bestätigung oder eine gerichtliche Feststellung. Wird ein solches Papier pauschal als „Geburtsurkunde“ oder „Heiratsurkunde“ übersetzt, prüft die deutsche Stelle etwas anderes, als ihr tatsächlich vorliegt. | Wir benennen die Urkundenart so, wie das Dokument sie selbst ausweist, samt ausstellender Stelle und Rechtsgrund – und überlassen die Bewertung der Behörde, statt sie durch die Wortwahl vorwegzunehmen. |
| Ausstellende Stelle eingeebnet | Äthiopische Papiere tragen die Verwaltungsebene, die sie ausgestellt hat: Kebele (unterste Verwaltungseinheit), Woreda (Kreis), Region. Nach einer Länderdiagnose der Weltbank wird allein der Kebele-Ausweis von über 16.000 lokalen Verwaltungen ausgegeben. Wird daraus im Deutschen „die Behörde“ oder gar „das Einwohnermeldeamt“, verliert die prüfende Stelle genau die Angabe, an der sie ansetzen müsste. | Ausstellende Stelle, Verwaltungsebene und Registernummer bleiben im Original stehen und werden erläutert, nicht in ein deutsches Behördenwort übersetzt. |
| Zeichensetzung durch OCR zerlegt | Amharisch trennt Wörter traditionell mit ፡ und schließt Sätze mit ።; Groß- und Kleinschreibung kennt die Schrift nicht. Läuft ein Scan durch eine Texterkennung, verkleben Wörter oder zerfallen – Namen, Orte und Zahlen verrutschen, ohne dass es im Deutschen auffällt. | Die Vorlage wird von einem Muttersprachler zeichengenau erfasst statt maschinell durchgereicht; Wort- und Satztrenner werden so gesetzt, dass Namen und Zahlen sauber getrennt bleiben. |
| Noten und Abschlüsse „umgerechnet“ | Äthiopische Zeugnisse führen GPA-Werte, Fächerlisten und eine zentrale Hochschulzugangsprüfung; ein frei gewähltes deutsches Notenäquivalent oder ein übersetzter Studientitel nimmt der Zeugnisbewertung die Entscheidung ab – und verzerrt sie. | Abschlussbezeichnung, Fächer, Stundenzahlen und Noten werden im Original mit erklärender Entsprechung übertragen; Hochschule und Prüfungsbehörde nennen wir so, wie sie in den Verzeichnissen geführt werden. |