| Äthiopisches Datum wie ein gregorianisches gelesen | Äthiopische Urkunden datieren nach dem äthiopischen Kalender: dreizehn Monate – zwölf zu 30 Tagen plus der kurze Pagumen –, Jahresbeginn um den 11. September und eine Jahreszählung, die sieben bis acht Jahre hinter der gregorianischen liegt. „1998“ auf einem Zeugnis meint das Schuljahr 2005/2006. Wer die Ziffern übernimmt, datiert Geburt, Heirat oder Abschluss um Jahre daneben. | Das Datum wird als äthiopisches erkannt, taggenau umgerechnet und im Zweifel mit beiden Angaben geführt. Auch Uhrzeiten – die äthiopische Zählung beginnt bei Sonnenaufgang, nicht um Mitternacht – werden kenntlich gemacht statt stillschweigend übernommen. |
| Vatersname als Familienname gesetzt | Äthiopische Namen bestehen aus Eigenname, Vatersname und Großvatersname; einen vererbten Familiennamen gibt es nicht, und Frauen ändern ihren Namen bei der Heirat nicht. Wird der Vatersname als „Nachname“ geführt oder je Dokument anders gelöst, tragen Eheleute und Geschwister im Register verschiedene Nachnamen – oder aus einer Person werden zwei Aktenidentitäten. | Die Namensbestandteile bleiben in der Reihenfolge des Originals stehen; ihre Funktion erläutern wir im Übersetzervermerk. Für die Schreibweise sind Ihre bereits vorhandenen deutschen Papiere maßgeblich, abweichende Formen werden ausgewiesen. |
| Doppelbuchstaben weggelassen oder zugefügt | In Qubee trägt Länge Bedeutung und wird durch Verdoppelung geschrieben: hara „See“ gegen haaraa „neu“, badaa „schlecht“ gegen baddaa „Hochland“. Ein Buchstabe zu viel oder zu wenig ergibt ein anderes Wort – in einem Namen oder einer Ortsangabe ist das kein Tippfehler, sondern ein Sachfehler. | Vokal- und Konsonantenlänge werden exakt so geschrieben, wie das Original sie führt; Namen und Orte gleichen wir zusätzlich gegen Pass und vorhandenen Bescheid ab. |
| Qubee-Buchstaben nach deutschem Lautwert gelesen | Qubee benutzt lateinische Buchstaben mit eigenen Werten: c, x, q und ph stehen für Ejektive, dh für einen retroflexen Implosiv, ny und sh für je einen Laut. Die vertraute Schrift verleitet dazu, „deutsch“ zu lesen – und einen anderen Namen zu transkribieren, als auf dem Papier steht. | Muttersprachler lesen die Qubee-Werte korrekt und übertragen Namen und Ortsangaben lautrichtig – in genau der Schreibung, die auch Ihre übrigen Dokumente tragen. |
| Ortsnamen in der jeweils anderen Sprachform | Viele Orte tragen eine Oromo- und eine amharische Form: Adama hieß amtlich lange Nazret, Bishoftu heißt amharisch Debre Zeit. Steht auf der Geburtsurkunde die eine und im Bescheid die andere Form, sieht die prüfende Stelle zwei verschiedene Geburtsorte. | Der Ortsname wird in der Form des Originals übernommen, die gebräuchliche zweite Form erläuternd ergänzt – so bleibt der Bezug zu Ihren übrigen Akten sichtbar. |
| Kasusendung als Namensbestandteil gelesen | Oromo markiert – anders als Deutsch – den Subjektfall am Wort, etwa mit -ni, -n oder -tu. Wird diese Endung für einen Teil des Namens oder des Wortstamms gehalten, entsteht ein Name, den es nicht gibt, oder ein falscher Bezug im Urkundentext. | Die Endung wird als Kasusmarker erkannt und aufgelöst: Im Deutschen steht der Name in seiner Grundform, und Subjekt- und Objektbezüge des Originals bleiben erhalten. |
| Noten und Abschlussbezeichnungen eingedeutscht | Äthiopische Zeugnisse weisen Leistungen als Prozentwerte und Punktdurchschnitte aus, nicht auf einer Skala von 1 bis 6, und die Abschlussbezeichnungen haben kein deutsches Gegenstück. Wer sie in deutsche Noten und Grade „übersetzt“, nimmt die Bewertung vorweg, die der Anerkennungsstelle zusteht. | Noten, Prüfungs- und Abschlussbezeichnungen bleiben im Original und werden erklärend eingeordnet; bewertet wird von der zuständigen Stelle, nicht vom Übersetzungsbüro. |
| Deutsche Verwaltungsbegriffe frei ins Oromo übersetzt | Für weite Teile des deutschen Sozial-, Aufenthalts- und Medizinrechts gibt es kein etabliertes Oromo-Wort; die Fachsprache in Qubee ist jung und regional uneinheitlich. Eine erfundene Entsprechung erzeugt Text, den die Leserin nicht zuordnen kann – auf einer Einwilligungserklärung ist das mehr als ein Stilproblem. | Die deutsche Bezeichnung bleibt stehen und bekommt eine erklärende Entsprechung daneben; das Sprachregister halten wir so, dass der Text auch ohne lange Schulbildung lesbar bleibt. |
| Dialektvarietäten gemischt | Zwischen den großen Varietäten – West-Zentral (Mecha-Tuulama), Borana-Arsi-Guji und Ost-Oromo – unterscheiden sich Wortschatz und Formen. Eine gemischte Fassung liest sich für die Zielgruppe fremd und trifft einzelne Begriffe nicht. | Wir wählen die Varietät passend zu Herkunft und Adressat und halten Begriffe, Orts- und Verwaltungsbezeichnungen über alle Dokumente eines Vorgangs konsistent. |