| 14 Fälle statt Präpositionen | Estnisch hat keine Präpositionen für „in/aus/zu“, sondern 14 Fälle: majas (im Haus), majast (aus dem Haus), majja (ins Haus), majaga (mit dem Haus). Wer die deutschen Präpositionen wörtlich überträgt, markiert doppelt oder falsch. | Muttersprachler bilden die deutsche Präpositionalphrase auf den richtigen Fall ab; die Zuordnung ist in der geprüften Terminologie hinterlegt. |
| Drei Längenstufen, schriftbildgleich | Estnisch unterscheidet kurz/lang/überlang bedeutungstragend – oft ohne sichtbaren Unterschied: kooli kann Genitiv „der Schule“ (lang) oder Illativ „in die Schule“ (überlang) sein. Das Schriftbild ist gleich, die deutsche Präposition wäre eine andere. | Muttersprachler hören und setzen die Quantität und wählen die richtige Fallform, sodass die deutsche Entsprechung eindeutig stimmt. |
| Kein Genus, keine Artikel | Estnisch kennt kein grammatisches Geschlecht und keine Artikel; das Pronomen tema/ta heißt „er“ und „sie“. Aus dem Estnischen ins Deutsche muss Geschlecht und Bestimmtheit erst rekonstruiert werden – Maschinen raten oft falsch. | Genus, Artikel und Bestimmtheit werden aus dem Kontext erschlossen; bei Personenstandsurkunden gleichen wir das Geschlecht mit den übrigen Angaben ab. |
| Keine Futurform | Estnisch hat keine eigene Zukunftsform; Zukünftiges steht im Präsens plus Zeitangabe (homme „morgen“). Ein deutsches „wird geliefert / wird gezahlt“ darf nicht mit einer erfundenen Futurform übersetzt werden – und ein estnisches Präsens kann deutsche Zukunft meinen. | Zeitbezug und Frist werden nach Bedeutung gesetzt; Lieferzeitpunkte und Fälligkeiten bleiben unmissverständlich. |
| Diakritika õ ä ö ü weggelassen | In ASCII-Systemen fallen õ, ä, ö, ü gern weg. Das õ ist aber ein eigener Laut: aus õigus (Recht) wird ohne Diakritikum ein Nichtwort. Auf Urkunden verfälscht das Namen und Begriffe. | Die vollständige estnische Orthografie bleibt erhalten; Eigennamen werden quellengetreu wiedergegeben, Diakritika nie gedroppt. |
| Estnisch über das Finnische abgekürzt | Die beiden Sprachen sind eng verwandt – und genau deshalb voller falscher Freunde: est. hallitus = Schimmel, finn. hallitus = Regierung; est. raamat = Buch, finn. raamattu = Bibel; est. linn = Stadt, finn. linna = Burg. Wer Finnischkenntnisse „mitlaufen“ lässt, trifft die Fälle, aber nicht die Bedeutung. | Estnische Texte übersetzen ausschließlich Estnisch-Muttersprachler – die Verwandtschaft ersetzt die Sprache nicht. |
| Registerbescheinigung als deutsche Urkunde ausgegeben | Estland führt Personenstandsdaten digital; vorgelegt wird deshalb häufig eine Bescheinigung (tõend) oder ein Auszug (väljavõte) aus dem Bevölkerungsregister. Wird das Blatt in der Übersetzung schlicht „Geburtsurkunde“ betitelt, prüft das Standesamt gegen ein Dokument, das es so nicht gibt – und fragt nach. | Der Dokumenttyp wird benannt, wie er ist, mit ausstellendem Register und Ausstellungsgrund; die deutsche Entsprechung steht als Erläuterung daneben, nicht an seiner Stelle. |
| Fremdnamen-Deklination & Genitiv | Estnisch dekliniert auch fremde Eigennamen und hängt Fallendungen an, bei bestimmten Schreibungen mit Apostroph (z. B. Monet’ im Genitiv). Auf Urkunden muss der Namensstamm identifizierbar bleiben, während die Endung nur die Grammatik trägt. | Der Name bleibt in der amtlich geforderten Grundform erkennbar; die Fallendung wird so gesetzt, dass die rechtliche Identität eindeutig bleibt. |
| Konsonantengradation & Komposita | Der Wortstamm wechselt zwischen den Fällen (sepp „Schmied“ → Genitiv sepa); dazu bildet Estnisch lange Komposita. Der falsche Stamm oder eine falsch getrennte Zusammensetzung ergibt ein Nichtwort oder eine andere Bedeutung. | Muttersprachler beherrschen die Stufenwechsel und lösen Komposita nach Bedeutung auf – morphologisch korrekt statt Zeichen für Zeichen. |