| Ton- und Vokalzeichen weggelassen | Die Zeichen bestimmen die Bedeutung: ma (Gespenst), má (Wange), mà (aber), mả (Grab), mã (Code), mạ (Reissetzling). Ein fehlendes Zeichen macht aus einem Wort ein anderes – auf einer Urkunde aus einem Namen einen anderen Namen. | Muttersprachler setzen jedes Ton- und Vokalzeichen und übersetzen die Bedeutung, nicht die zeichenlose Buchstabenfolge. |
| Zwei Schreibungen desselben Namens in der Akte | Deutsche Register, ältere Aufenthaltspapiere und die maschinenlesbare Zone des Passes führen Namen ohne Diakritika („NGUYEN VAN AN“), die vietnamesische Urkunde führt sie mit (Nguyễn Văn An). Wer nur eine Variante überträgt, produziert einen Widerspruch zur übrigen Akte – und eine Rückfrage der Behörde. | Die Urkundenform wird vollständig wiedergegeben; die diakritikfreie Schreibung Ihrer deutschen Papiere ordnen wir nachvollziehbar zu, statt sie stillschweigend zu ersetzen. |
| Namensordnung vertauscht, Anrede über den Familiennamen | Der Familienname steht zuerst, dann der Zwischenname, zuletzt der Rufname; angeredet wird über den Rufnamen. In deutsche „Vorname/Nachname“-Felder gepresst, kann die Zuordnung kippen – und „Herr Nguyễn“ ist im Geschäftsbrief ein Fauxpas. | Familien-, Zwischen- und Rufname werden nach dem Ausweisdokument den Zielfeldern zugeordnet und die Zuordnung im Zweifel dokumentiert; Anreden richten sich nach dem Rufnamen. |
| Kodierung zerstört die Zeichen | Vietnamesisch stapelt Diakritika (ế, ữ, ậ) und kennt Sonderbuchstaben (đ/Đ). Alte Kodierungen (VNI, TCVN) oder gemischte Unicode-Normalformen ergeben Fragezeichen, Kästchen oder verrutschte Akzente – im Druck und im behördlichen PDF gleichermaßen. | Wir arbeiten durchgängig in Unicode NFC, prüfen die Normalisierung und kontrollieren đ/Đ sowie doppelte Diakritika im fertigen Satz. |
| Silben zusammengezogen, Ortsnamen eingedeutscht | Jede Silbe wird einzeln geschrieben. Aus Hà Nội wird „Hanoi“, aus Thành phố Hồ Chí Minh „Ho-Chi-Minh-Stadt“ oder ersatzweise „Saigon“ – auf einer Urkunde weicht der Ausstellungsort damit von der amtlichen Bezeichnung ab. | Silbenschreibung und amtliche Form von Orts-, Provinz- und Behördennamen bleiben erhalten; geläufige deutsche Formen ergänzen wir nur erläuternd. |
| Urkunden von vor 1975 „modernisiert“ | Papiere aus der Zeit der Republik Vietnam tragen Behörden-, Provinz- und Ortsbezeichnungen eines Staates, den es nicht mehr gibt. Wer sie in heutige Bezeichnungen umschreibt, erfindet einen Aussteller – und die Urkunde lässt sich nicht mehr gegen das Original prüfen. | Historische Urkunden werden als historische Urkunden übersetzt: Aussteller und Ortsangaben bleiben in der Originalbezeichnung, die Einordnung erfolgt in einer Anmerkung. |
| Falsche Wortschicht: Alltagswort statt Hán-Việt | Recht, Verwaltung und Technik verlangen den sino-vietnamesischen Wortschatz; im Alltag gelten native Wörter. Ein Vertrag oder eine Urkunde im Alltagsregister klingt salopp und wird an den entscheidenden Stellen mehrdeutig. | Fachübersetzer wählen die Wortschicht nach Textsorte und sichern die Fachbegriffe über eine gepflegte Terminologie ab – über alle Dokumente eines Vorgangs hinweg gleich. |
| Deutsche Grammatik 1:1 übertragen | Vietnamesisch flektiert nicht: keine Konjugation, keine Fälle, kein Genus. Zeit entsteht über Partikel (đã, đang, sẽ), Mengen verlangen Klassifikatoren. Wer deutsche Formen nachbaut, erzeugt Sätze, die falsch oder unfreiwillig komisch sind. | Muttersprachler bilden Zeit, Zahl und Bezug über Partikel, Wortstellung und passende Klassifikatoren ab – idiomatisch statt wörtlich. |